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Nordische Mythen – Von Riesen, woher sie kommen, was sie sind.

Riesen kennen wir in unseren Breitengraden hauptsächlich aus Märchen und Sagen. Sie sind Fabelwesen, die meistens als nicht besonders schlau, roh, böse, gewalttätig dargestellt werden. Diese Märchen und Sagen haben ihren Ursprung aber in den älteren, nordischen Mythen. In diesen Mythen sind die Riesen zwar auch nur selten angenehme Zeitgenossen, jedoch gelten einige von ihnen als sehr weise. Des weiteren werden sie dort noch eindeutig mit den Kräften der Natur in Verbindung gebracht. Feuer-Eis-Meeresriesen, welche, genau wie die Götter, in vermenschlichter Gestalt gedacht werden und ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen. Solche heidnischen Vorstellungen mag man nun schmunzelnd wieder in das Reich der Märchen und Mythen zurück weisen. Nachfolgendes Foto, auf dem eindeutig der (halbe) Kopf eines auf der Seite schlafenden Eisriesen zu sehen ist, beweist jedoch, dass Riesen durchaus real existierende Wesen sind. 😉

Gut. Nachdem diese Frage jetzt geklärt wäre, ist es natürlich auch von Interesse, wo die Riesen denn nun eigentlich herkommen. In meinem letzten Artikelüber die nordischen Mythen habe ich ja bereits darauf aufmerksam gemacht, wie aus Feuer und Eis die Welt, beziehungsweise das erste Menschengebild, genannt Ymir, entstand. Dieser Ymir war der erste Hrimthurse (Eisriese,Frostriese). In der Prosa Edda geht die Geschichte nun so weiter: (Quelle: http://de.wikisource.org/wiki/Edda/Snorra-Edda/Gylfaginn%C3%AEng)

“ … .Es wird erzählt, als er schlief fing er an zu schwitzen: da wuchs ihm unter seinem linken Arm Mann und Weib und sein einer Fuß zeugte einen Sohn mit dem anderen. …“

Ymir scheint also ein androgynes Wesen zu sein. Die Geschichte geht nun wie folgt weiter:

„6. Da fragte Gangleri: Wo wohnte Ymir? oder wovon lebte er? Har antwortete: Als das Eis aufthaute und schmolz, entstand die Kuh, die Audhumla hieß, und vier Milchströme rannen aus ihrem Euter; davon ernährte sich Ymir. Da fragte Gangleri: Wovon nährte die Kuh sich? Har antwortete: Sie beleckte die Eisblöcke, die salzig waren, und den ersten Tag, da sie die Steine beleckte, kam aus den Steinen am Abend Menschenhaar hervor, den andern Tag eines Mannes Haupt, den dritten Tag war es ein ganzer Mann, der hieß Buri. Er war schön von Angesicht, groß und stark und gewann einen Sohn, der Bör hieß. Der vermählte sich mit Bestla, der Tochter des Riesen Bölthorn; da gewannen sie drei Söhne: der eine hieß Odhin, der andere Wili, der dritte We. Und das ist mein Glaube, daß dieser Odhin und seine Brüder Himmel und Erde beherschen. …“

Odin, Wili und We sind nun aber keine Riesen mehr. Sie sind Asen, Götter. Ob sie es von Geburt an sind, oder ob sie erst durch die nachfolgenden Taten von Riesen zu Göttern werden, darüber schweigt die Edda. Es wird aber erzählt, was weiter geschieht:

„… . 8. Da fragte Gangleri: Was richteten die Söhne Börs aus, daß du sie für Götter hältst? Har antwortete: Davon ist nicht wenig zu sagen. Sie nahmen Ymir und warfen ihn mitten in Ginnungagap und bildeten aus ihm die Welt: aus seinem Blute Meer und Waßer; aus seinem Fleische die Erde; aus seinen Knochen die Berge, und die Steine aus seinen Zähnen, Kinnbacken und zerbrochenem Gebein. Da sprach Jafnhar: Aus dem Blute, das aus seinen Wunden gefloßen war, machten sie das Weltmeer, festigten die Erde darin und legten es im Kreiß um sie her, also daß es die Meisten unmöglich dünken mag, hinüber zu kommen. Da sprach Thridi: Sie nahmen auch seinen Hirnschädel und bildeten den Himmel daraus, und erhoben ihn über die Erde mit vier Ecken oder Hörnern, und unter jedes Horn setzten sie einen Zwerg; die heißen Austri, Westri, Nordri, Sudri. Dann nahmen sie die Feuerfunken, die von Muspelheim ausgeworfen umherflogen, und setzten sie an den Himmel, oben sowohl als unten, um, Himmel und Erde zu erhellen. Sie gaben auch allen Lichtern ihre Stelle, einigen am Himmel, andern lose unter dem Himmel und setzten einem  jeden seinen bestimmten Gang fest, wonach Tage und Jahre berechnet werden. …“

So betrachtet sind Riesen also nicht irgendwelche Wesen. Sie sind der Stoff aus dem alles ist, einschließlich der Asen, die man, wenn man so möchte, als Weiter- oder Höherentwicklung der Riesen betrachten kann. Letztlich ist also unsere Welt und damit auch wir selbst, riesischer Abkunft.

Wie großartig diese Weltschöpfung ist, beschreibt die Prosa-Edda wie folgt weiter:

„Da sagte Gangleri: Das sind merkwürdige Dinge, die ich da höre; ein großes Gebäude ist das und sehr künstlich gebildet. Wie war die Erde beschaffen? Har antwortete: Sie ist außen kreißrund und rings umher liegt das tiefe Weltmeer. Und längs den Seeküsten jenseits gaben sie den Riesengeschlechtern Wohnplätze, und nach innen rund um die Erde machten sie eine Burg wider die Anfälle der Riesen, und zu dieser Burg verwendeten sie die Augenbrauen Ymir des Riesen und nannten die Burg Midgard. Sie nahmen auch sein Gehirn und warfen es in die Luft und machten die Wolken daraus, wie hier gesagt ist:…“

Es gibt also Elemente, Feuer, Eis, Wasser, Stein. Nennen wir sie Riesengeschlechter. Es gibt Kräfte, nach denen diese Elemente sich formen und ordnen. Nennen wir sie Asen. Es herrscht dadurch eine gewisse, jedoch für Störungen anfällige Ordnung. Nennen wir sie „die Anfälle der Riesen“. Es gibt diese Burg, Midgard, die uns vor diesen Anfällen schützt. Midgard ist unsere Erde. Dieser winzig kleine Punkt inmitten des Weltalls, welches ja voller wilder Riesenkräfte ist. Midgard, innerhalb deren „Mauern“ wir vor den Riesen, dank der Ordnung (Asen) halbwegs sicher sind.

Aber wieso gibt es nun auch Riesen die als weise gelten? Die, wie es geschrieben steht: „Urzeitwissen haben“
Das ist natürlich einfach. Weil sie selbst die Urzeit sind.

Und welche Riesen gibt es denn jetzt überhaupt?
Tja, jede Menge.

Da saß am Hügel und schlug die Harfe, der Riesin Hüter, der heitre Egdir…

Hrym fährt von Osten, er hebt den Schild…

Surt zieht von Süden mit sengender Glut…

Das sind jetzt nur mal die Riesen die in der Völuspa namentlich genannt werden. Weiter bekannt ist auch der als sehr weise geltende Riese Wafthrudnir, der seinen Kopf in einem Wissenswettstreit gegen Odin verwettet. Oder die schöne Riesentochter Gerda, die von dem Gott Freyr umworben wird. Hräswelg ist ein Riese in Adlergestalt, der am nördlichen Himmelsrand sitzt und mit seinen Schwingen den Wind entfacht. Dann gibt es unter anderem auch noch Mimir, von dem nicht ganz klar ist, ob er den Riesen oder den Göttern zuzurechnen ist. Mimir ist der Hüter einer der Urquellen unter dem Weltenbaum, Mimirs Brunnen, und er ist berühmt für seine Weisheit, welche ihm dieses Wasser verleiht. Odin trinkt ebenfalls von diesem Wasser, muss dafür aber ein Auge opfern und in Mimirs Quell legen. „Met trinkt Mimir allmorgendlich aus Walvaters Pfand….“ 

So geht also eines ins andere und wäre zu viel um hier im einzelnen genau erläutert zu werden. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt aber sicher noch auf spezielle Riesen zu sprechen kommen… .

Mit mythologischen Grüssen, Manfred Herrmann

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