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Wolfshooting im Wolf Science Center Ernstbrunn

Letzten Montag war es so weit. Der Termin für ein Fotoshooting, direkt bei den Wölfen im Gehege des Wolfsforschungzentrums im Tierpark Ernstbrunn, für welches ich von meiner Familie einen Gutschein zum Geburtstag bekommen hatte, war endlich da. An dieser Stelle auch noch einmal ein herzliches Danke an euch alle für dieses tolle Geschenk. Ihr habt mir eine Riesenfreude damit gemacht, und der Tag mit den Wölfen war ein unvergessliches Erlebnis 🙂

Gegen halb neun Uhr vormittags kam ich beim Tierpark an und hörte schon vom Parkplatz aus Wolfsgeheul. Schaurig schön und schade, dass man es bei uns nur mehr in Wildparks hört, denke ich mir, während ich mich auf den Weg mache.
Die Tür bei der Kasse öffnet mir eine freundliche Frau, die aber, wie sie sagt, nur zufällig anwesend ist, weil der Wildpark am Montag für Besucher geschlossen ist. Sie erklärt mir, wo ich hin muss. Nach kurzem Fußmarsch bergan, an Eseln, Ziegen und Wildschweinen vorbei, komme ich zum Forschungsgebäude und den Wolfsgehegen, wo ich das beeindruckende Heulen der Tiere nun aus nächster Nähe hören kann.Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Nur die Wölfe stehen am Zaun und beäugen mich neugierig. Ich gehe also ein bisschen herum und sehe mir alles an, bis ich bemerke, dass die Wölfe wieder alle neugierig am Zaun stehen. Diesmal gelten ihre Blicke aber nicht mir, sondern sie schauen hinunter Richtung Eingang. Ich drehe mich um, sehe erst gar nichts, kurz darauf dann drei weitere Fotografen die ganz unten um die Kurve kommen. Es beeindruckt mich immer wieder, um wie viel besser als wir die meisten Wildtiere ihre Umwelt wahrnehmen können.
Kurze Zeit später ist unsere Gruppe mit 9 Personen -die Nummer 10 taucht nicht auf-vollständig und wir werden von Mitarbeitern der Forschungseinrichtung herzlich begrüsst. Bis zu unserer „Einschulung“ im Seminarraum dauert es dann noch ein paar Minuten, in denen die Wölfe, die sich wegen Arbeiten im Gehege gerade kurzzeitig in einem abgetrennten Bereich aufhalten, und wir, uns schon  Zaun an Zaun ein bisschen aneinander gewöhnen können ,

Im Seminar erfahren wir dann, dass es sich bei allen Wölfen um Timberwölfe handelt, die im Alter von 10 Tagen, also noch bevor sie die Augen öffnen, von der Mutter genommen und mit der Flasche aufgezogen werden müssen, da es ansonsten nicht mehr möglich ist, sie in solchem Maße zu sozialisieren, dass sie freiwillig an Kooperations – und Kognitionsaufgaben teilnehmen. Erforscht werden die Zusammenhänge zwischen Wolf, Hund und Mensch, weshalb hier auch Hunde unter den selben Bedingungen wie die Wölfe aufgezogen werden. Zur Sozialisierung gehört ebenfalls, dass die Mitarbeiter in der Anfangszeit auch bei den Welpen schlafen, sprich 24/7  full-time job.
Des weiteren wird uns anhand von Bildern grundlegendes zur Körpersprache der Wölfe erklärt. Wir lernen wie wir uns in verschiedenen Situationen verhalten sollen und werden instruiert, allen Schmuck abzulegen, Handys und ähnliches sowie natürlich auch alles was nach Essen riecht, aus den Hosentaschen zu entfernen. Auch sonst sollen keine Schnüre oder Bänder an uns baumeln, weil dies alles für die Tiere so interessant sein könnte, dass sie es unbedingt haben möchten.
Solcherart eingeschult, betreten wir kurz darauf, gemeinsam mit  vier Mitarbeiterinnen des Zentrums, auch schon das erste Gehege. Ein bisschen mulmig ist mir dabei schon zumute.

Die Wölfe sind natürlich sehr auf „ihre“ Menschen fixiert, während sie um uns Fotografen nervös und neugierig zugleich herumstreifen. Im unteren Teil des Areals bleiben wir erst einmal aufrecht stehen. Während der Einschulung wurde uns gesagt, wir sollten den Arm mit zur Faust geballter Hand ausstrecken wenn ein Wolf in unsere Nähe kommt. Das tun wir. Der Wolf stupst die Faust dann mit seiner Schnauze an und bekommt von einem seiner Trainer ein Leckerli dafür. Wir sind also so etwas wie menschliche Futterautomaten für die Tiere und werden dadurch natürlich wesentlich besser akzeptiert.

Nach einer Weile dürfen wir uns auch auf den Boden setzen und sind jetzt wirklich auf Augenhöhe mit den Wölfen.

Eine Zeitlang fotografieren wir hier, lassen uns von den Tieren beschnuppern, hören den Trainerinnen zu, die viel interessantes zu den Tieren im einzelnen, sowie zu dem Projekt als Ganzes zu erzählen haben, und staunen auch über den einen oder anderen Trick den die Wölfe beherrschen.

Das Tier links wartet übrigens gerade ungeduldig darauf, dass sein Mensch ihm ein Leckerli zuwirft um es aus der Luft zu fangen.

Selbstverständlich haben die Wölfe alle auch eigene Namen und hören auf diese auch, wenn sie wollen. 🙂 Ich mit meinem desolaten Namensgedächtnis habe mir natürlich nicht alle Namen gemerkt, und schon gar nicht, welcher Name zu welchen Wolf gehört. Ihr könnt eine Vorstellung der einzelnen Tiere aber auf der Homepage des Forschungzentrums nachlesen.

Mittlerweile ist mein mulmiges Gefühl schlichter Faszination gewichen und ich genieße es einfach, die Tiere um mich zu haben und fotografieren zu können. Für letzteres ist das Licht die meiste Zeit über leider nicht optimal. Die Sonne versteckt sich immer wieder lange hinter den Wolken. Zudem ist das Gehege ja bewaldet, wodurch die Sonne, wenn sie denn mal hervorkommt, nicht immer dorthin scheint wo man sie brauchen würde. Ein weitere Schwierigkeit besteht darin, dass es bei neun Fotografen und vier Betreuerinnen oft schwierig ist, keine menschlichen Arme, Beine oder Köpfe mit im Bild zu haben.Des weiteren habe ich hier, im ersten Gehege, auch noch das 28-70mm Sigma an der Kamera, welches mir oft zu kurz ist, da gerade die Tiere, die sich ein Stück von uns entfernt haben, oft die schönsten Motive abgeben. Aber die besten Fotos sind ja bekanntermaßen ohnehin immer jene, die man aus irgend einem Grund nicht machen hat können 🙂

Wir sind mittlerweile ein Stück weiter ins Gehege gewandert und bei einem kleinen Teich angekommen. Um die Tiere für ein kleines Bad zu motivieren, reicht eine Handvoll Leckerlis die ins Wasser geworfen und von den Tieren dort aufgespürt werden.

An dieser Stelle des Geheges findet auch das sogenannte „calling“ statt. (Die Tiere werden alle auf Englisch trainiert.) Hierbei entfernen sich zwei der Trainerinnen mit den Tieren von der Gruppe und werden dann von den anderen beiden zurückgerufen. Das Rudel läuft dann auf die Gruppe zu und wir haben Gelegenheit die Wölfe in vollem Lauf abzulichten. Leider gelingen mir hier mit der genannten Brennweite noch keine brauchbaren Bilder, weil die Tiere entweder zu früh abdrehen, oder, wenn sie mal näher auf mich zu laufen, immer irgend ein Grashalm im weg ist der mir den Autofokus verwirrt. Aber ich habe ja noch die Besuche bei zwei weiteren Wolfsrudeln vor mir, und damit noch zwei weitere Chancen auf coole Laufbilder. Einstweilen begnüge ich mich mit Bildern von Wölfen mit Menschen.

Wenn die Tiere, die ansonsten unablässig zwischen uns Fotografen in Bewegung sind, einmal stehen bleiben, dürfen wir sie mit Erlaubnis der Wissenschaftlerinnen auch an der Seite streicheln. Niemals jedoch von oben, wie wir gelernt haben, da sich die Tiere dadurch bedroht fühlen. Dann endet auch schon unser Aufenthalt im ersten Gehege. Ich hole mir schnell mein anderes Objektiv aus dem Seminarraum und fotografiere ab jetzt mit dem 70-200mm Sigma. Als nächstes besuchen wir die niedlichen Hundewelpen.

Die sind alles andere als schüchtern, sondern klettern auf uns herum, lecken uns die Gesichter und beäugen alles ganz neugierig.

Wir schauen auch noch einen Sprung im Gehege der großen Hunde vorbei, wo wir uns schön langsam daran gewöhnen das Gesicht abgeleckt zu bekommen. Ein Gewöhnungseffekt, der sich in weiterer Folge durchaus noch als äußerst nützlich heraustellen wird… .

Aber vorerst ist für uns erst einmal Mittagspause angesagt. Ich verbringe sie in einer Cafe-Pizzeria in Ernstbrunn wo ich um nicht einmal 6€ ein wirklich gutes 3-Gänge Menü zu mir nehme. Zurück im Tierpark habe ich dann noch Zeit um mir die anderen Tiere anzusehen.

Dann machen wir uns auch schon auf ins zweite Gehege. Auch hier erfolgt wieder ein erstes beschnuppern von uns „Futterautomaten“, bevor wir uns nach einer Zeit niederhocken können.

Die Dame links heißt übrigens Shima, was ich mir natürlich nur gemerkt habe, weil sie mit der weißen Zeichnung am Kopf wirklich unverwechselbar ist.

Das zweite Rudel erscheint wesentlich weniger distanziert als das erste. Wir werden viel öfter beschnuppert und auch mal abgeleckt.
Hier mal ein Bild welches der Fotografenkollege Thomas Fertl von mir gemacht hat. Wie man sieht, kontrollieren die Wölfe auch unsere fotografische Arbeit sehr genau 😉

Wie schon am Vormittag gibt es auch jetzt wieder ein „calling“, wo mir diesmal auch Aufnahmen von laufenden Wölfen gelingen.

Natürlich gibt es auch mal das eine oder andere Gerangel zwischen den Tieren.

Die Zeit vergeht beim Beobachten dieser schönen Tiere viel zu schnell und wir machen uns alsbald auf in das dritte Gehege.

Das dritte Rudel besteht aus nur zwei Wölfen und ja, man spricht tatsächlich schon ab zwei Tieren von einem Rudel. Diese beiden Tiere sind wohl die zutraulichsten von allen. Wir werden unablässig beschnuppert, angestupst und abgeleckt.

Während der Einschulung haben wir gelernt, dass wir den Kopf nicht wegziehen sollen, wenn wir abgeleckt werden. Für die Tiere ist das ja ein normales Verhalten und ein gewisser Vertrauensbeweis obendrein. Den Kopf wegzuziehen würde sie verunsichern und glauben lassen etwas falsch gemach zu haben. Reicht einem der Kontakt mit den Wolfszungen, kann man einfach aufstehen. Wir bemühen uns also redlich, unsere Reflexe zu unterdrücken, die Lippen zusammen zu pressen um Zungenküsse zu vermeiden, und die „Wolfswäsche“ gelassen über uns ergehen zu lassen. Dann gibt es auch hier wieder ein „calling“.

Wieder vergeht die Zeit wie im Flug und wir müssen uns bald aus dem Gehege verabschieden. Unser direkter Kontakt mit den Wölfen ist hiermit leider zu Ende. Als letzter Programmpunkt steht die Fütterung der Tiere an, die wir aber aus nachvollziehbaren Gründen nur direkt am Zaun verfolgen können.
Wer diesbezüglich empfindlich ist, sollte sich die nächsten Bilder vielleicht nicht ansehen und gleich zum Ende des Artikels scrollen.
Als erstes werden die Wölfe im zweiten Gehege gefüttert. Während die Forscherinnen das Futter ins Gehege bringen, müssen die Wolfe in einem abgetrennten Bereich warten. Wir haben Zeit, uns am Zaun zu positionieren.

Das Fleisch wird im Gehege abgelegt, während die Wölfe schon hungrig und ungeduldig am Zaun auf und ab laufen.Nachdem die zwei Menschen das Areal wieder verlassen haben, wird der Durchlass geöffnet und das Rudel stürzt sich auf die Beute. Im ersten Ansturm sind mir die Tiere viel zu schnell und ich bekomme nur die Hinterteile aufs Bild.

Dann gibt es natürlich erst einmal Streit um die besten Stücke.

Ich muss sagen, dass es mir gar nicht leid tut jetzt einen Zaun zwischen mir und den Wölfen zu haben. Nur so für den Fall, dass eines der Tiere auf die Idee kommen könnte ich wäre ein Nahrungskonkurrent.

Bei der Fütterung im Gehege wo wir am Anfang waren, habe ich einen besseren Standort und es gelingt mir, auch vom ersten Ansturm und Gerangel ein paar Bilder zu schießen.

Die Devise lautet wohl: Ankommen, Beute schnappen und wenn möglich auch behalten.

Es dauert nicht lange und die Tiere haben sich mit ihrer Nahrung in die hinteren Bereiche des Geheges verzogen. Unser shooting geht damit zu Ende. Schade, weil gerade  jetzt, so gegen 17.00 Uhr, auch das Licht  sehr schön werden würde.

Schade, aber eben nicht zu ändern. In jedem Fall kann ich sagen, dass es wirklich ein wunderbares Erlebnis war diese fantastischen Tiere so hautnah erleben zu dürfen. Ich möchte auch die Mitarbeiterinnen des Forschungszentrums die mit uns in den Gehegen unterwegs waren, lobend erwähnen. Sie waren alle sehr freundlich, hilfsbereit und machten auch sonst einen absolut kompetenten Eindruck. Man merkt auch, dass ihnen das Wohl ihrer Wölfe und Hunde wirklich sehr am Herzen liegt, und wie nahe die Tiere ihnen stehen. Danke dafür!
Des weiteren glaube ich, dass Projekte wie diese nicht nur der Forschung dienlich sind, sondern durch die öffentliche Zugänglichkeit und Angebote wie oben, dazu beitragen das Bild des Wolfes als „böse, verschlagene Bestie“, welches über Märchen und unwahre oder übertriebene Berichterstattung ja nach wie vor im Bewusstsein vieler Menschen verankert ist, durch das Bild des „anmutigen, klugen und scheuen Tieres“ , das der Wolf in Wahrheit ist, zu ersetzten und so zu seinem Schutz beizutragen.

Hiermit möchte ich diesen Bericht nun auch ausklingen lassen. Ich kann jedem, der sich für Wölfe interessiert nur raten, eines der vielen Angebote des WSC in Anspruch zu nehmen. Ihr könnt euch auf deren Homepage http://www.wolfscience.at/deutsch/ näher darüber informieren. Oder kauft euren Lieben mal keine Krawatten oder Ohrringe, sondern legt zusammen und bucht eines der Angebote als besonderes Geschenk. Auch wenn es erst mal ein wenig teuer wirkt- Das Geld kommt den Wölfen zugute und ihr nehmt mit Sicherheit jede Menge unvergessliche Eindrücke und Erinnerungen mit nach Hause.

An dieser Stelle möchte ich auch noch zwei Emfpehlungen, zu ausgesprochen interessanten Bücher von den Begründern des WSC aussprechen.
Ich habe beide gelesen und fand sie sehr informativ und leicht verständlich:

Ich sage Danke fürs lesen, mit wolfsheulenden Grüssen, Manfred Herrmann.

2 observations on “Wolfshooting im Wolf Science Center Ernstbrunn
  1. Thys

    Oh – mein – Gott!!
    Ich bin so neidisch!
    Was für ein tolles Erlebnis….
    Und vor allem: Wunderschöne Tiere, wunderschöne Fotos….

    Viele Grüße

     
  2. Karin Herrmann

    Schön dass es dir gefallen hat. Ich glaube mir wäre schon mulmig wenn mir ein Wolf übers Gesicht leckt! Tolle Fotos ! Wenn sie lieb sind glaubt man es sind Hunde aber sie schauen irgendwie anders – entschlossener und willensstärker obwohl ein Hund wenn er die Zähne fletscht auch nicht grad nett aussieht! Viele Grüße Jaaaaaaaaaaaaaaaaauuuuuul
    Mama!

     
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