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Der magische Eisvogel

Eisvögel haben im Laufe der Zeit Eingang in Mythen, Sagen und Aberglauben gefunden. Als ich Anfang April, während eines Spaziergangs an der Schwechat, zufällig einen Eisvogel kobaltblau und pfeilschnell übers Wasser segeln sah, war auch ich sofort verzaubert – Ich musst einfach ein Foto von diesem faszinierenden Tier haben! Das dies allerdings nicht ganz einfach werden würde, war mir ebenfalls sofort klar. Die Tiere sind nicht einmal 20 cm lang und meiden den Menschen. Mit 500 mm Brennweite am Vollformatsensor kommt man ohne Tarnung kaum näher an sie heran als so:

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Der nächste Schritt bestand für mich also darin, im Internet mein Wissen über die Lebensgewohnheiten der Eisvögel aufzufrischen. Sie sind standorttreu, tagaktiv und sitzen gerne auf Ästen über dem Wasser, von wo aus sie Fische fangen. Das sind schon einmal ganz gute Voraussetzungen für ein Foto. Zum Brüten benötigen sie in der Regel Steilwände aus Lehm oder festen Sand, in denen sie ihre Bruthöhlen graben.
Ich unternahm also erst mal ein paar Spaziergänge um das Gebiet zu erkunden und herauszufinden, auf welchen Ästen die Vögel gerne sitzen. Nachdem ich mich auf ein erfolgversprechendes Gebiet festgelegt hatte, griff ich auf mein leichtes Tarnnetz zurück (eigentlich zwei zusammengenähte Tarnschals ).
Das Teil ist recht praktisch. Man es kann es auf den Boden sitzend einfach überwerfen oder es an Zweigen festmachen und bekommt eine recht improvisierte aber ganz passable Tarnung:

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Auf diese Weise verbrachte ich dann ziemlich viele Stunden reglos in der Nähe von Ästen, die von den Vögeln gerne angeflogen werden. Ich kam den Vögeln damit schon etwas näher, erkannte aber auch, dass es dort ziemlich viele Äste gibt, die von den Eisvögeln „bevorzugt“ werden.
Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich einfach Pech hatte, oder ob meine Tarnung wirklich ausreichend war. Deshalb entschied ich mich dazu, es dann doch einmal mit meinem Tarnzelt zu versuchen. Das Teil vermodert sonst ohnehin nur in meinem Schuppen.

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Allerdings sollte man so ein Zelt eine Zeit lang stehen lassen, damit sich die Tiere daran gewöhnen können. Dies war mir an betreffender Stelle allerdings ebenfalls nicht möglich, wodurch also auch diese Methode zum Glücksspiel wurde. Ich verbrachte dann zwei ganze Nachmittage in dem doch recht stickigen Zelt. Alles was ich in dieser Zeit vor die Linse bekam, war dieses kleine Vögelchen, von dem ich den Namen jetzt echt nicht weiß:

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Aber Eisvögel? Keine Chance. Vorbei geflogen sind sie öfter mal. Sitzen geblieben nie. Also beschloss ich, heute wieder auf mein Tarnnetz zu vertrauen. Und siehe da – Kaum hatte ich mich niedergelassen, landete auf einem Ast unter einem gegenüberliegenden Steilufer, von dem ich schon annahm, dass die Tiere dort irgendwo ihre Bruthöhle haben, ein Eisvogel:

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Immer noch recht weit weg, aber ich beobachtete, wie der Vogel Kot absetzte. Das war ein Glück, denn mit fiel auf, dass der Boden unter dem Ast schon -pardon- ziemlich voll geschissen war. Wesentlich mehr als irgendwo anders in Sichtweite. Was also schließen wir daraus, Sherlock?  Genau. Wo viel Scheiße da viel Vogel…Ich fragte mich, wie ich das eigentlich so lange übersehen hatte können. 🙂
Ich machte mich also auf den Weg zur nächsten Brücke um ans andere Ufer und näher an die Vögel zu gelangen. Um sie halbwegs groß aufs Bild zu bringen, darf man mit 500 mm Brennweite am KB-Sensor nicht weiter als 3 Meter entfernt sein. Und selbst da muss man hernach noch ein wenig beschneiden. Ich war gespannt ob das klappen würde, oder ob mich der Eisvogel entdecken und flüchten würden.

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Nach 15 Minuten Fußmarsch kam ich in der Nähe der betreffenden Stelle an. Ich versuchte herauszufinden ob die Vögel in der Nähe waren und sah kurz darauf einen knapp über dem Wasser flussabwärts fliegen. Sehr gut. Sehen konnte ich auch keinen und ihre Schreie hörte ich auch nicht. Also ging ich rasch zu der Stelle, kletterte so weit wie möglich vom Ast entfernt die Böschung hinunter, sah und hörte mich nochmal um, bewegte mich schließlich geduckt vorwärts, legte mich drei Meter vom Ast entfernt seitlich auf den Boden und deckte mich mit meinem Tarnnetz zu.
Keine fünf Minuten später, sah ich aus dem Augenwinkel einen Eisvogel im Geäst am anderen Ufer landen. Ich wagte kaum zu atmen. Im nächsten Moment flatterte der Eisvogel über den Fluss und zack – Da saß er, nur drei Meter entfernt direkt vor meiner Linse. Ich freute mich irrsinnig. Ich drückte den Auslöser und im nächsten Moment flüchtete der Vogel. Ich war mir nicht sicher, ob vor mir, oder ob es die Kamera-Linse oder das nicht gerade leise Auslösegeräusch meiner Kamera war, welches ihn aufgeschreckt hatte.
Zudem stellte ich fest, dass ich beim hinunterklettern versehentlich meine Brennweite verstellt und mit 300, anstatt mit 500 mm fotografiert hatte. Mist. Wieder zu wenig Vogel am Bild. Ich blieb aber trotzdem noch liegen. Und nach einigen Minuten kam der Vogel erneut. Diesmal passte die Brennweite:

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Gewünscht hätte ich mir eigentlich nur noch besseres Licht. Die Kameraeinstellungen hier waren 1/200 Sekunde Belichtungszeit bei Blende 8 und 500 mm Brennweite und ISO 6400 vom Einbein-Stativ aus.  Das ist von der Zeit her auch mit dem sehr guten Bildstabilisator des Sigma 150-500 Objektives schon grenzwertig. Ich hätte die Blende noch auf maximal F6,3 öffnen und damit eine etwas kürzere Belichtungszeit realisieren können. Andererseits ist das Sigma auch mit F 8 noch fast zu weich, weshalb ich es darauf ankommen habe lassen.
Es könnte also besser sein, aber für mein erstes derartiges Foto bin ich ganz zufrieden damit.  Und mal schauen – Sie Saison hat ja erst begonnen und jetzt bin ich so wirklich motiviert 😉

Zuletzt eine Bitte: Wenn ihr mal die Gelegenheit habt die Vögel irgendwo zu beobachten, dann schaut bitte ob Brutröhren in der Nähe sein könnten. Falls ja, dann haltet euch bitte nicht länger als maximal eine Stunde nahe an den Bruthöhlen auf. Sonst kann es vorkommen, dass die Eltern die Brutpflege abbrechen.

Euer Eisvogel, Manfred.

 

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