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Im Fluss sein

„Im Fluss“ bin ich ja immer wieder im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwo auf ein paar glitschigen Steinen. Die Kamera auf das Stativ gepackt, immer ein bisschen in Sorge, sie könnte mir ins Wasser fallen. Dann knipse ich so vor mich hin .

Mit etwas längeren Belichtungszeiten bekommt man bei fließendem Wasser ja sehr schöne Effekte. Viel interessanter finde ich jedoch oft, was das „im Fluss sein“ mit mir selber macht. Denn nach einer Weile, obwohl rings um mich alles in Bewegung ist, alles laut ist, fließt, rauscht, plätschert, werde ich im Inneren ganz ruhig und still. Oder wahrscheinlich gerade weil alles in Bewegung ist. Der Fluss schirmt die Welt vor einem ab. Es ist mir dann ein bisschen, als würde ich in einem Konzert sitzen, wo mein Verstand nur noch den Klängen folgt. Hierhin und dorthin und immer weiter… Im Fluss eben. 

Hierhin und dorthin und sind wir dem Wasser nicht oft ähnlich? Sind wir nicht ein Teil des Wassers im Strom des Lebens? Wie oft müssen wir durch enge Stromschnellen fließen, oder in die Tiefe stürzen? Oder wähnen uns alleine in der Weite des Ozeans? Genau so wenig wie das Wasser wissen wir, an welchem Ort und zu welchem Zeitpunkt wir versiegen werden. Und können wir uns gegen den Fluss unseres Lebens stemmen? Wie weit her ist es mit unserem freien Willen? Wählen wir unser Flussbett, unsere See, unsere Form, unseren Weg? Haben wir Einfluss darauf, wie schnell oder langsam wir wohin auch immer strömen? Können wir ungewollte Stromschnellen umfließen?

Aber zugleich -und das ist irgendwie paradox- kümmern mich solche Fragen nicht, während ich im Fluss bin. Ich bin mittendrin, ein Teil davon, aber zugleich doch außerhalb und Herr meiner Selbst. Das ist ein großes, aber zugleich auch absolut banales Geheimnis, finde ich.

Mit fließenden Grüssen, Manfred Herrmann

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