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Falls du in deiner Kindheit mit einem Vergrößerungsglas  gespielt hast, ist jetzt der richtige Zeitpunkt um dich daran zu erinnern. Die Brennweite ist eine physikalische Größe, welche den Abstand des Brennpunktes von der ihm zugeordneten Hauptebene einer Linse angibt. Soll heißen, der Abstand zwischen dem Vergrößerungsglas und dem Brandfleck den du mithilfe der in die Sonne gehaltenen Lupe damals am Fensterbrett deines Elternhauses hinterlassen hast, wird als Brennweite bezeichnet 🙂  Wenn du es ganz genau wissen möchtest, kannst du auf Wikipedia nachlesen.In der Fotografie beeinflusst die Brennweite gemeinsam mit der Film/Sensorgröße den Bildwinkel, als wie groß der Bereich ist den du mit deiner Kamera ablichten kannst.

„Aha?“

Soll heißen, ein Objektiv mit zum Beispiel einer Brennweite von 50 mm, kann auf einer Kamera einen größeren oder kleineren Bildauschnitt ergeben, als auf der anderen, abhängig davon, wie groß der Film oder Sensor in der Kamera ist. Ein kleinerer Sensor führt zu einem engeren Bildausschnitt, während ein größerer Sensor einen weiteren Bildausschnitt bedeutet.

„Na und?“

Da es nun eine Menge verschiedene Sensor/ Filmgrößen gibt, ist man dazu übergegangen, sich bei Angaben in Foto(lehr)büchern, Bildunterschriften oder ähnlichem, auf das Kleinbildformat zu beziehen, da sich dieses durch seine lange Verwendung im Film- und Fotobereich als eine Art Standart etabliert hat. Dies ist notwendig um Brennweiten an unterschiedlichen Sensoren/Filmen miteinander vergleichen zu können. Liest man nun eine solche Angabe, dann kann man meist sehr einfach umrechnen, welche Brennweite man an seiner Kamera verwenden muss um denselben Bildausschnitt zu bekommen, sofern man einen größeren oder kleineren Film/Sensor als Kleinbild verwendet. Für eine solche Umrechnung benötigt man lediglich den unter anderem als „Formatfaktor“ bezeichneten Wert. Dieser wird meist vom Kamerahersteller in der Beschreibung angegeben. Man muss dann lediglich die angegebene Kleinbildbrennweite durch diesen Faktor dividieren oder ihn multiplizieren, je nachdem ob man einen kleineren oder größeren Sensor verwendet.

Beispiel: Meine Nikon hat einen kleineren Sensor als das Kleinbildformat. Der Hersteller gibt den Formatfaktor mit rund 1,5 an. Dies bedeutet, ich muss die Kleinbild-Angabe durch 1,5 dividieren um zu wissen, welche Brennweite ich verwenden muss um den gleichen Bildausschnitt zu erhalten. Steht da also zum Beispiel: „Verwenden sie eine Brennweite von 50mm, bezogen auf Kleinbildformat.“, dann rechne ich einfach 50:1,5= 33,3. Ich benötige also ein Objektiv mit 33,3 mm Brennweite, sprich rund ein 35 oder auch 30mm Objektiv.

Simpel, oder? Da aber generell immer wieder viel Unklarheiten bezüglich des Formatfaktors bestehen, und er auch noch andere Auswirkungen als die auf den Bildausschnitt hat, lege ich dir ans Herz den diesbezüglichen Wiki-Artikel zu lesen, wenn du mal Zeit hast.

Die folgenden Angaben beziehen sich nun also alle auf das Kleinbildformat. Abkürzung für Kleinbild ist übrigens KB. Um die Angaben auf die Sensorgröße deiner Kamera zu beziehen, mach dich bitte über den Formatfaktor deiner Kamera schlau.

So, und hier mal ein paar Bilder, die ich mit verschiedenen Brennweiten vom gleichen Standpunkt aus gemacht habe, damit du sehen kannst wie sich der Bildausschnitt mit unterschiedlicher Brennweite ändert. Die jeweile KB-Brennweite steht dabei.

Die Brennweiten lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen. Die Grenzen sind dabei fließend, was der eine noch als leichten Weitwinkel empfindet mag für den anderen schon als Normalbrennweite gelten usw. ….

bis 15mm: Superweitwinkel und Fisheye- Objektive
20mm: Weitwinkelobjektiv
30mm: gemäßigtes Weitwinkelobjektiv
50mm: Normalobjektiv
85mm: leichtes Teleobjektiv.
150mm: gemäßigtes Teleobjektiv
300mm: Teleobjektiv
500mm und darüber: Superteleobjektiv

Die verschiedenen Brennweiten unterscheiden sich aber nicht nur durch den Bildwinkel, sondern unterscheiden sich auch auf andere Weise:

Weitwinkelobjektive:

Wie der Name schon sagt, ermöglichen Weitwinkelobjektive einen weiten Aufnahmewinkel, man bekommt also sehr viel auf einmal aufs Bild. Der kleine Bildmaßstab bewirkt, dass Objekte im Vordergrund wesentlich größer erscheinen als die Objekte des Hintergrundes, wodurch die Bilder oft eine stark räumliche Wirkung bekommen. Weiter zeichnen sich mit einem Weitwinkel gemachte Aufnahmen meist durch eine große Schärfentiefe aus.
Weitwinkelobjektive werden öfters für die Landschaftsfotografie und für Aufnahmen in beengten Räumen verwendet, kommen aufgrund ihrer speziellen perspektivischen Eigenschaften aber auch immer wieder bei der Personenfotografie zur Verwendung.
Generell sollte bei Aufnahmen mit so kurzer Brennweite darauf geachtet werden, ein klares Hauptmotiv im Vordergrund zu haben, da die Bilder sonst rasch zu reinen Übersichtaufnahmen verkommen. Außer natürlich, die Übersicht ist in der Lage sich durch Licht und Komposition selbst zu tragen. Weiter sollte man danach trachten, die perspektivischen Eigenschaften zur Betonung der richtigen Bildteile zu verwenden.
Eine Spezialform der Weitwinkelobjektive sind Fisheye-Objektive. Diese schaffen in der Regel einen Bildwinkel von 180°, manche auch noch mehr. Diesen enormen Weitwinkel erkauft man sich durch eine starke, tonnenförmige Verzeichnung des Bildes- Den typischen Fischaugeneffekt.

Normalobjektive:

Eine Normalbrennweite entspricht in etwa der Diagonalen des Bildformates. Bezogen auf KB sind das in etwa 50mm Brennweite. Die  Begriffe  „Normalbrennweite“, oder auch „Normalobjektiv“ rühren daher, dass ihre Darstellung der Größenverhältnisse und ihr Bildwinkel der Wahrnehmung des Menschen ähnlich ist. Das Gesichtsfeld des Menschen ist mit beinahe 180° in der Horizontalen und etwa 130° in der Vertikalen  zwar wesentlich größer als der Bildwinkel bei Verwendung eines Normalobjektives, aber der Mensch nimmt im allgemeinen nur einen Teilbereich in seinem Gesichtsfeld bewusst wahr. Die Wahrnehmung dieses Teilbereichs und der Bildeindruck von mit Normalbrennweite geschossenen Fotos ähneln sich also. Nicht zuletzt deshalb ist dieser Brennweitenbereich für die Reportagefotografie interessant. Generell ist man selbst mit einem Normalobjektiv in Form einer Festbrennweite flexibler als mancher denken mag. Einerseits ist die Brennweite kurz genug um mit ein paar Schritten zurück die eine oder andere Landschafts-Gruppen- oder Architekturaufnahme machen zu können. Andererseits ist die Brennweite lang genug, um mit ein paar Schritten nach vorne ein ansprechendes Porträtbild oder Detailaufnahmen zu machen. Hinzu kommt, dass Objektive mit Normalbrennweite verhältnismäßig einfach und damit Kosten sparend zu bauen sind, wodurch man eine „normale“ Festbrennweite mit hoher Lichtstärke und sehr guter Abbildungsleistung bereits für verhältnismäßig wenig Geld bekommt.

Teleobjektive:

Teleobjektive haben einen engen Aufnahmewinkel, wodurch weiter entfernte Objekte näher erscheinen. Darüber hinaus, bewirken Telebrennweiten sozusagen eine „Komprimierung“ des Bildes. Im Gegensatz zu Weitwinkelobjektiven rücken Vorder-Mittel- und Hintergrund enger zusammen, das Bild wirkt also flacher, weniger räumlich. Zugleich nimmt bei Telebrennweiten die Schärfentiefe ab, wodurch schon ein relativ kleiner Abstand zwischen dem Motiv und seinem Hintergrund genügt, um den Hintergrund auch bei weit geschlossener Blende unscharf werden zu lassen.
Zum einen werden Teleobjektive verwendet, um Motive aufzunehmen an die man nicht nah genug heran kann, um sie mit Normal- oder Weitwinkelobjektiven in entsprechender Formatfülle fotografieren zu können. Klassischerweise also in der Tierfotografie in freier Wildbahn, bei Sportveranstaltungen, oder auch in der Veranstaltungsfotografie.
Zum anderen werden Objektive mit leichter und gemäßigter Telebrennweite auch gerne für Portraitaufnahmen eingesetzt. Sie ermöglichen formatfüllende Aufnahmen ohne dem Model zu sehr auf die Pelle rücken zu müssen und erleichtern durch die begrenzte Schärfentiefe das freistellen des Modells.

Makroobjektive:

Makroobjektive gibt es mit verschiedenen Brennweiten. Sie zeichnen sich durch eine Naheinstellgrenze von nur wenigen Zentimetern aus, wodurch ein großer Abbildungsmaßstab möglich wird. Ein Objektiv gilt als makrofähig, wenn ein Abbildungsmaßstab von mindestens 1:4 erreicht wird, wobei die meisten speziell für den Nahbereich gefertigten Objektive auch einen Abbildungsmaßstab von 1:1 schaffen. (1:1 bedeutet: Das Motiv und seine Abbildung auf dem Sensor/Film sind gleich groß). Makroobjektive werden folglich für Nahaufnahmen eingesetzt. Details von Blüten, Insekten, kleine Strukturen etc. … Darüber hinaus lassen sich mit ihnen, je nach Brennweite, natürlich auch „normale“ Aufnahmen machen.

Über Zoomobjektive:

Zoomobjektive decken einen bestimmten Brennweitenbereich ab. Den Faktor um welchen man die kürzeste Brennweite des Objektives durch „zoomen“ verlängern kann, nennt man „Zoomfaktor“. Beispielsweise ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 10-20 mm, hat also einen Zoomfaktor von 2 (20:10=2),  man spricht von einem 2-fach Zoom.

Es sind aber auch Zoomobjektive mit wesentlich größerem Zoomfaktor erhältlich. Generell ist es so, das man umso mehr Kompromisse in der Bildqualität eingehen muss, je größer der Brennweitenbereich den ein einziges Objektiv abdeckt ist. Diese Kompromisse in Form von Verzeichnungen, ein „matschiger“ Bildeindruck, verfälschte oder blasse Farbwiedergabe und weitere Abbildungsfehler, findet man meist gehäuft am unteren und oberen Ende des Zoombereichs. Im mittleren Zoombereich sind die Ergebnisse auch bei den so genannten „Superzooms“ meistens in Ordnung.
Zoomobjektive gibt es sowohl mit durchgehender, größtmöglicher Blendenöffnung, als auch mit sich beim Zoomen verändernder, größtmöglicher Blendenöffnung. Steht also auf einen Objektiv zum Beispiel: „18-50mm  1:3,5-5,6“, dann hat das Objektiv bei der Brennweite 18mm eine größtmögliche Blendenöffnung von 1:3,5. Bei 50mm sind es nur noch 1:5,6. Lautete die Bezeichnung hingegen „18-50mm  1:2,8“, dann hätte das Objektiv über den ganzen Brennweitenbereich eine größtmögliche Blendenöffnung von 1:2,8.
Wenn du dir so die Preislisten für Objektive ansiehst, wirst du feststellen, dass Objektive mit durchgehender Lichtstärke, also größtmöglicher Blendenöffnung, empfindlich teurer sind als solche mit sich verändernder Lichtstärke. Dies liegt daran, dass diese Objektive wesentlich aufwendiger zu konstruieren sind. Für den Mehrpreis hat man dann aber eben auch am langen Ende noch eine hohe Lichtstärke, was immer dann von Vorteil ist, wenn man beim fotografieren mit wenig Licht auskommen muss. Aber auch ansonsten sind Zoomobjektive mit gleich bleibender Offenblende meist besser in der Abbildungsleistung als ihre preisgünstigeren Kollegen.
Die meisten neueren Zoomobjektive haben einen so genannten Bildstabilisator verbaut. Dieser gleicht das Zittern der Hände bis zu einem gewissen Grad aus, was es ermöglicht, mit längeren Verschlusszeiten als ansonsten möglich, verwacklungsfrei aus der Hand zu fotografieren. Diese Bildstabilisatoren funktionieren meistens erstaunlich gut und sind vor allem auch bei lichtschwächeren Objektiven eine große Hilfe. Allerdings können sie Lichtstärke nicht gänzlich ersetzen. Der Stabilisator wird ab dem Moment nutzlos, wo ich einfach entsprechend kurze Belichtungszeiten brauche, um ein bewegtes Motiv festzuhalten. Denn der „Anti-Wackel-Dackel“ kann eben nur das Zittern der Hände, die Bewegung der Kamera ausgleichen, nicht die Bewegung des Motives.

Zoomobjektive vs Festbrennweiten:

Zoomobjektive haben den Vorteil, einen bestimmten Brennweitenbereich abzudecken. Somit spart man sich innerhalb des entsprechenden Brennweitenbereichs einen Objektivwechsel. Dies ist dann von Vorteil, wenn der Fotograf Motive in verschiedener Entfernung fotografieren will oder muss, seinen Standort aber nicht verändern kann oder will, für einen Objektivwechsel keine Zeit bleibt oder der Fotograf einfach nicht wechseln will.
Ferner sind Zoomobjektive auch praktisch, wenn man auf Reisen ist und nicht den gesamten Objektivpark mitschleppen, brennweitenmäßig  aber dennoch flexibel sein möchte.
Zoomobjektive haben den Nachteil, dass sie zur Faulheit verleiten. Vor allem Anfänger neigen dazu, sich ihre Motive einfach zu recht zu zoomen. Sie vergessen dabei meist, dass sich mit der Brennweite auch die perspektivischen Eigenschaften wie oben beschrieben verändern. Und sie bringen sich um den Genuss, neue Blickwinkel auf und um ihr Motiv zu entdecken, weil sie sich mit dem Zoom nicht bewegen müssen.
Festbrennweiten haben den Vorteil der Lichtstärke. Sie sind vor allem im Bereich der Normalbrennweite, sowie des gemäßigten Tele- und leichtem Weitwinkelbereiches, mit großen Blendenöffnungen von oft schon 1:1,4, verhältnismäßig preisgünstig zu haben. Die hohe Lichtstärke macht sie nicht nur für die Fotografie bei wenig Licht interessant, sondern ermöglicht auch mehr Kreativität im Spiel mit der Tiefenschärfe. Was die Abbildungsleistung betrifft, ist diese bei Festbrennweiten meist ausgezeichnet. Allerdings ist sie heute bei vergleichbarer Blende nicht zwangsläufig besser als bei hochwertigen Zoomobjektiven.
In der Regel wird das „Bokeh“, also das Aussehen des Unschärfebereichs, als schöner empfunden wie das Bokeh von Zoomobjektiven.
Festbrennweiten zwingen den Fotografen seinen Standort zu verändern um den gewünschten Bildausschnitt zu erreichen. Wenn man nicht rumlaufen kann wie man will, oder einfach keine Zeit dafür hat, ist dies der Nachteil von Festbrennweiten. Kann und will man sich aber bewegen, erschließen sich hier oft neue Blickwinkel, und der Fotograf ist damit auch gezwungen, sich bewusster mit dem Aufbau seines Bildes auseinander zu setzen.

Meine Empfehlungen für Festbrennweiten:

So, und weiter geht hier nun mit dem Thema „Weißabgleich“.