Gestern verbrachte ich einige Zeit im Naturpark Sparbach, wo sich frei laufende Wildschweine als attraktive Models anbieten. Die Tiere sind die Besucher gewöhnt und kommen ihnen recht nahe, dürfen aber nicht berührt oder gefüttert werden. Das ist sinnvoll, denn Wildschweine sehen relativ schlecht und verlassen sich bei der Nahrungssuche auf ihren fantastischen Geruchssinn. Wäre das Füttern erlaubt, würden die Tiere auch am Menschen nach Nahrung schnüffeln, wobei es auch zu unabsichtlichen Verletzungen kommen könnte, zumal die Tiere untereinander einen recht robusten Umgang pflegen.
Vor allem mit ihrem „Gewaff“, den scharfen Eckzähnen, können die Schweine schwere Schnittverletzungen zufügen.

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Das Sprichwort „Glücklich wie ein Schwein im Schlamm“ wird selbsterklärend, wenn man sieht wie sich die Tiere wohlig im Schlamm suhlen und danach an bestimmten Bäumen reiben. Dieses Verhalten dient einerseits zur Wärmeregulation, andererseits um Parasiten und Ungeziefer los zu werden.

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In freier Wildbahn sind Wildschweine bei uns aufgrund des hohen Jagddrucks meist in der Dämmerung und Nachts aktiv. Das sie sehr gut hören, sind sie meist schon lange verschwunden, bevor der Mensch daherkommt.

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Kommt es dennoch zu einer Begegnung und die Wildschweine flüchten nicht, sollte man sich möglichst ohne Hektik entfernen. Wenn Wildschweine gegenüber dem Menschen aggressiv werden, handelt es sich meist um Keiler (Männchen) in der Paarungszeit, oder Bachen (Weibchen) mit Frischlingen (Jungtieren). Insbesondere Spaziergänger mit Hunden sind hier gefährdet, da Wölfe zu den natürlichen Feinden des Wildschweines zählen. Deshalb sollten bekannte Reviere der Wildschweine am besten nicht mit Hunden begangen werden, aber falls doch die Hunde unbedingt an der Leine geführt werden. Vor allem wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen, gehen Wildschweine zum Angriff über und ausgewachsene Tiere sind durchaus auch in der Lage, sich gegen Wölfe erfolgreich zu verteidigen.

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Wildschweine bewegen sich hauptsächlich im Kreuzgang oder im Trab. Bei ersterem verlässt das zweite Beinpaar erst den Boden, wenn Vorder- und Hinterlauf des anderen Beinpaares aufgesetzt haben. Die Tiere sind hierbei mit 3-6 km/h unterwegs. Im Trab gibt es zwischen den Bodenberührungen eine kurze Schwebephase und die Tiere erreichen eine Geschwindigkeit von 6-10 km/h, die sie auch sehr ausdauernd halten können.  Eine dritte Form der Fortbewegung ist der Galopp. Hierbei legen die Tiere mit jedem Sprung bis zu zwei Meter zurück. Wildschweine galoppieren meist nur wenn sie aufgeschreckt werden und können diese Gangart nicht lange durchhalten.

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Davon abgesehen sind Wildschweine hervorragende Schwimmer, die auch problemlos weitere Strecken im Wasser zurücklegen können. Ich hatte gehofft, auch ein schwimmendes Tier vor die Linse zubekommen, aber das Schwein am Teich suchte lieber im Uferschlamm nach Nahrung.

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Wildschweine leben in Rotten zusammen. Diese bestehen aus mehreren Bachen, deren Jungtieren, sowie einjährigen Tieren beiderlei Geschlechts. Ältere Keiler werden aus der Rotte ausgeschlossen, leben meist einzelgängerisch und kommen nur während der Rauschzeit (Paarungszeit) zur Rotte zurück.

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So viel also erst mal zum Thema Wildschwein. Wer die Tiere aus nächster Nähe erleben und mehr über sie erfahren will, sollte unbedingt im Naturpark Sparbach vorbeischauen, wo es neben den Wildschweinen noch viele weitere interessante Sachen anzuschauen und zu lernen gibt.

Hier noch ein paar weitere Bilder:

mit wildschweinischen Grüßen, Manfred Herrmann