Bildkritik ist weiteres, sehr wesentliches Mittel um zu besseren Bildern zu gelangen. Es bedeutet nichts anderes, als das du deine eigenen Bilder anhand verschiedener Kriterien entweder selbst betrachtest, oder durch dritte betrachten lässt. Sehen wir uns einmal an, um welche Kriterien es sich dabei im Allgemeinen handelt:

Technik:

Hierbei wird das Augenmerk auf technische Details wie Bildschärfe, das Aussehen der Farben, Kontraste, die Art der Nachbearbeitung und ähnliches gelegt. Dabei ist es hilfreich, wenn du bei einer Betrachtung durch andere Menschen, Angaben zum verwendeten Kameramodell, Objektiv, der verwendeten  Brennweite, der eingestellten Blende, der Belichtungszeit sowie dem eingestellten Iso-Wert machst und gegebenenfalls auch ein paar Worte zur Nachbearbeitung sagst. Denn dadurch können deine Kritiker dann nicht nur sagen: „Das Bild ist total unscharf und verwackelt.“, sondern sie können dir auch sagen woran es liegt. Also ob zum Beispiel die Belichtungszeit zu lang war, ob dir eine andere Blendeneinstellung hätte helfen können usw. … .

Wenn du andere Menschen um eine Kritik der technischen Aspekte deines Bildes bittest, dann macht das natürlich nur Sinn, wenn diese Menschen auch eine gewisse Ahnung von der Technik haben. Weil, deine fotografisch unbescholtene Oma, wird dir auch nur sagen können, dass dein Bild unscharf ist (was du ja auch selber siehst), aber eben nicht warum es so ist.

Bildgestaltung:

Hierbei richtet sich die Aufmerksamkeit auf die gestalterischen Aspekte deines Bildes. Wo befindet sich dein Motiv? Wo und in welchem Verhältnis zu deinem Motiv befinden sich etwaige Nebenmotive? Wie verlaufen reale und gedachte Linien im Bild? Wie ist das Licht? Ist der Horizont gerade? Gibt es stürzende Linien? Störende Elemente usw. …
Im Gegensatz zu den technischen Aspekten, kommt es bei den gestalterischen Aspekten öfters zu Uneinigkeit bei den Kritikern. Einigkeit kann meist darüber erzielt werden, ob grundlegende Gestaltungsregeln sowie hier beschrieben eingehalten wurden oder nicht. Ob die Einhaltung oder eben der Bruch dieser Regeln das Bild nun besser oder schlechter machen, darüber kann oft vortrefflich gestritten werden. Wobei, wenn darüber gestritten wird, ist das meist kein schlechtes Zeichen. Sind sich alle Kritiker unabhängig voneinander einig, dass ein Bild durch seine Gestaltung weniger gut ist, dann ist das Bild eben weniger gut.

Bildaussage:

Oft wird behauptet, dass ein Bild nur dann gut ist, wenn es eine Aussage hat, eine Geschichte erzählt. Das stimmt natürlich – Aber eben nicht immer ganz. Ausschlaggebend ist, wofür ein Bild gemacht wird. Mache ich zum Beispiel für ein Biologiebuch ein Foto von einem Marienkäfer, dann wird es das Ziel sein, den Käfer möglichst scharf und farbecht abzulichten, damit der Lehrer sagen kann: „Da seht ihr den Kopf, die Flügelpaare…“. So ein Bild braucht nicht unbedingt eine Geschichte. Genau so kann es sein, das ein Produktfoto keine Geschichte braucht, sondern einfach nur den Gegenstand alleine scharf und sauber zeigen soll, damit sich der Kunde eine Vorstellung davon machen kann.
Aber von solchen Ausnahmen abgesehen, haben gute Bilder eine Aussage, erzählen durch die Handlung auf dem Bild eine Geschichte oder beeindrucken den Betrachter durch Form, Farbe, Licht.
Wenn du eine Kritik zur Bildaussage haben möchtest, solltest du deinen Kritikern vorher mitteilen, wofür du das Bild gemacht hast, was du zeigen wolltest, vor allem dann, wenn das Bild als Teil von etwas gedacht ist und nicht für sich selbst steht.

Dies wären also nun die drei Hauptkriterien nach denen sich Bilder betrachten lassen. Am Anfang steht dabei immer die kritische Betrachtung durch den Fotografen, also durch dich selbst. Bevor du dein Bild jemand zum kritisieren gibst, betrachte es nüchtern selbst. Ist es technisch so, wie du es dir vorgestellt hast? Stimmen Schärfe, Belichtung, Nachbearbeitung? Bist du mit der Komposition deines Bildes zufrieden? Was stört dich? Wie würde das Bild wirken wenn… ? Erzählt es eine Geschichte? Zeigt es, was es zeigen soll? Sagt es etwas aus? Wie wirkt das Bild?
Wenn du hierbei ehrlich zu dir selbst bist, wirst du viele Unzulänglichkeiten oft schon selber entdecken und das Bild gar keinen anderen Menschen mehr zwecks Kritik betrachten lassen müssen.

An Dritte reichst du das Bild zur Kritik dann weiter, wenn:

.) Du selber keinen Fehler mehr darauf findest, es dich aber interessiert ob andere noch Unzulänglichkeiten entdecken.

.) Du selber schon Fehler darauf entdeckt hast, aber nicht weißt wie du sie hättest vermeiden, oder was du anders hättest machen können.

.) Du wissen willst ob die Aussage deines Bildes auch bei anderen Menschen ankommt.

Meist ist es von Vorteil wenn du deinen Kritikern mitteilst, wozu genau du ihre Meinung hören möchtest und auch, welche Unzulänglichkeiten du selber schon entdeckt hast. (Z.Bsp.: „Ich finde das Bild nicht scharf genug, was habe ich diesbezüglich falsch gemacht?“ Oder „Findet ihr den Bildaufbau gelungen? Ich bin mir nicht sicher ob der Baum da hinten stört oder nicht.“ )
Dadurch erhältst du die Kritik in dem Bereich wo du sie benötigst und deine Kritiker können sich die Arbeit ersparen, dich auf Dinge hinzuweisen die du sowieso schon weißt.

Von wem soll ich meine Bilder kritisieren lassen?

Familienmitglieder, Freunde, Verwandte:

Sofern es sich hierbei nicht um Leute handelt, die sich ebenfalls mit Fotografie oder auf andere Art mit Bildern beschäftigen, werden sich die Kritiken eher auf „Ja, eh schön.“ oder „So tolle Farben.“ beschränken. Auf spezielle Fragen wie oben wirst du auch nur schwer Antwort bekommen. Des weiteren neigt dieser Personenkreis dazu, aus reiner Höflichkeit und Rücksichtnahme deine Bilder zu loben. Tut dem Ego gut, bringt dich aber fotografisch nicht wirklich weiter.
Die beste Kritik die du hier bekommen kannst ist, wenn sich jemand aus diesem Personenkreis dein Fotoalbum ansieht, beim blättern plötzlich innehält, das Bild ein paar Sekunden aufmerksam betrachtet und dann vielleicht auch noch unaufgefordert einen Kommentar dazu abgibt. Dann nämlich, hast du ein Foto gemacht welches aus der Masse deiner anderen Bilder heraussticht und den Betrachter auf irgend eine Art zu fesseln vermögen hat.

Soziale Netzwerke, Foto-communities, Foren, Blogs etc...

Hier kommt es darauf an. Der „gefällt mir“ Button auf Facebook zum Beispiel, ist keine Bildkritik und sagt in Wirklichkeit absolut nichts über die Qualität deines Fotos aus. Er kann aus Höflichkeit betätigt worden sein, oder auch, weil dem Betrachter gefällt das du in Italien auf Urlaub bist, während dein Foto einer italienischen Eisverkäuferin eine Katastrophe ist… .
Selbiges trifft auf viele Foto-communities zu, vor allem jene, wo Bilder per Sternsystem bewertet werden und der eine dem anderen 5 Sterne gibt, weil dieser einem auch 5 Sterne gegeben hat usw. .
Bei Foren die sich um Fotografie drehen, gibt es oft einen eigenen Bereich wo man Bilder zwecks Kritik einstellen kann. Auch hier gibt es Unterschiede was die Ehrlichkeit betrifft, aber wenn man einmal ein Forum mit Mitgliedern gefunden hat, die größtenteils in der Lage sind ehrlich, sachlich und konstruktiv zu kritisieren, ist dies eine gute Möglichkeit Kritik für seine Bilder zu erhalten.
Des weiteren gibt es auch Seiten oder Blogs im Netz, die sich mit dem Thema Fotografie beschäftigen und wo (Berufs) Fotografen von Lesern hoch geladene Bilder kritisieren. Diese Kritiken sind in der Regel sehr sachlich und konstruktiv gehalten, bringen einen also weiter. Allerdings werden meist mehr Bilder eingereicht als kritisiert werden können, so das man nicht für jedes Bild eine Kritik bekommen kann.

Fotoclubs, Fotofreunde, Fotostammtische:

Auch hier können bei regelmäßigen Treffen meist Bilder gezeigt und besprochen werden. Im Gegensatz zur anonymen Forenwelt geht es hier vielleicht oft etwas höflicher zu. Und man kann sich im Anschluss gemeinsam betrinken, aus Frust, weil einem schon wieder kein Bild so richtig geglückt ist 🙂

Wie soll eine Bildkritik aussehen?

Eine Bildkritik ist im Idealfall sachlich und konstruktiv. Sehen wir uns das einmal anhand eines Beispielbildes an, welches ich 2008 im nikon-fotografie Forum zwecks einer Bildkritik eingestellt hatte. Ich poste dieses Bild mit folgendem Text:

„Hallo zusammen

Ich lese hier schon eine Weile mit und habe in diesem Forum schon Unmengen nützlicher Infos gefunden. Gut gefällt mir auch, dass hier Bilder konstruktiv kritisiert werden. Das hat mir, als blutigen Anfänger, auch schon ermöglicht manche Fehler in meinen Bildern zu erkennen und (noch mehr manchmal), den einen oder anderen dann auch mal zu vermeiden. Naja, aber Außenstehende sehen die Bilder halt noch objektiver, und viele hier können dann wohl auch Tips geben, wie es besser gewesen wäre…weshalb ich von euch jetzt gerne wissen würde, was an dem Steinbild alles verkehrt ist und wie ihr die zwei in Szene gesetzt hättet.“

Hier die Antworten, die ich alle als sehr hilfreich empfunden habe:

„Ansich ein schoenes Motiv, fuer meinen Geschack aber zu frontal fotografiert.
Besser waere mehr schraeg seitlich (also perspektivisch), der Grosse schaut den Kleinen an oder umgekehrt. Dazu weniger Hintergrundschaerfe – also freistellen.“

„Da stimme ich zu, ausserdem könnten die Steinchen größer rauskommen und das Bild finde ich insgesamt etwas flau!“

„Wie meine beiden Vorposter, aber zusätzlich noch Hochformat (oder enger beschneiden) und tieferer Kamerastandpunkt. Ein Schritt nach rechts und das störende Gebäude verschwindet auch noch.“

Dies sind Kritiken wie sie sein sollen. Sie beinhalten Kritik an sich ( …fuer meinen Geschmack aber zu frontal fotografiert…finde ich insgesamt etwas flau) bieten aber auch sehr konstruktive Verbesserungsvorschläge. ( …Besser waere mehr schraeg seitlich… könnten die Steinchen größer rauskommen….Hochformat (oder enger beschneiden)…. tieferer Kamerastandpunkt….)
Solche Kritiken können einem wirklich sehr weiterhelfen. Ein nicht hilfreiche, unnötige Kritik (die es in dem Forum aber nicht gegeben hat) könnte in etwa so lauten: „Alter, was willst du mit den dämlichen Steinen? Schmeiß den Mist in Tonne und lass uns mit so einem Scheiß in Ruhe.“
So eine Kritik sagt nichts anderes, als das dem Kritiker das Bild nicht gefällt. Es ist natürlich dem Kritiker sein gutes recht sein Missfallen auszudrücken, aber da reicht ein „Gefällt mir nicht.“ auch.
Idealer ist ein: „Gefällt mir nicht weil….“

Wie soll ich mit Kritik umgehen?

Genau so, wie Kritik aussehen soll: Sachlich und konstruktiv. Wenn du ein Bild irgendwo zum kritisieren zeigst, dann darfst du nicht damit rechnen, das alle ganz hin und weg sind und es über die Maßen loben. Sonst könntest du das Bild ja auch deiner Oma zeigen. Hol dir einfach aus jeder Kritik soviel an Verbesserungspotiental für dich heraus wie möglich. Natürlich kann es hin und wieder vorkommen, dass du mit einer Kritik gar nichts anfangen kannst, dass sie für dich einfach nicht nachvollziehbar ist, dass du denkst der Kritiker liegt einfach falsch. In diesem Fall lass es einfach auf sich beruhen. Es mach meist einfach keinen Sinn den Kritiker zu kritisieren. Verschwende nicht deine Zeit mit so etwas sondern nimm deine Kamera und geh fotografieren.

Soll ich alles so machen wie es den Kritikern gefällt?

Um Gottes willen, nein! Aber schau, es gibt im Großen und Ganzen drei Menschen denen deine Bilder gefallen müssen:
Dir selbst, wenn du nur für dich selbst fotografierst.
Dem Kunden, wenn du für irgend eine Art von Kundschaft fotografierst.
Deiner reiche Tante, falls du endlich genug Kohle für eine neue Kamera haben möchtest.
Wenn diese drei Menschen mit deinen Bildern völlig zufrieden sind, dann wirst du gar nicht in Verlegenheit kommen, deine Bilder von jemand kritisieren lassen zu müssen. Ist aber einer dieser drei Menschen unzufrieden, wirst du um Kritiken nicht umhinkommen, und es wäre natürlich ausgesprochen dumm, die darin enthaltenen Verbesserungsvorschläge nicht auszuprobieren.

Im Forum damals, ging die Geschichte so weiter:

Ich schrieb: „Vielen Dank für eure Kommentare. Wenn ich das nächste mal dort bin werde ich versuchen das umzusetzen. Wieder einmal stelle ich fest, dass ich mir viel zu wenig Zeit beim fotografieren genommen habe um mehrere Varianten auszuprobieren.“

Ich war dann auch wirklich wieder dort und habe danach diese drei Bilder in den Thread gestellt:

„Ich war heute wieder dort und habe versucht eure Vorschläge umzusetzen. Ist das so in etwa das was ihr euch vorgestellt habt?“

Die Kommentare waren:

„Ich finde das erste Bild viel besser … das einzige, was mich daran stört, ist, daß hinter dem rechten Stein der Baum hervorragt …“

„Das zweite Bild gefällt mir am besten, die anderen sind etwas zu dunkel“

„zumindest von der perspektive schon deutlich besser… sie wirken nicht mehr wie „schau mal zwei steine… knips“-bilderallerdings ist mir die bearbeitung zu heftig ausgefallen… türkiser himmel ist nicht mein fall..“

„Mir gefällt das 2. querformat wesentlich besser…. wie wirkt es desaturiert?
Stelle ich mir interessant(er) vor…“

Ich habe mich für diese Kommentare dann zwecks „thanks-button“ bedankt und der thread verschwand bald in den Tiefen des Forum. Aber für mich waren diese Kommentare damals einfach sehr hilfreich. Gerade als blutiger Anfänger oft, aber auch später noch viel zu häufig, ist man auf eineinhalb Augen blind was die Fehler in den eigenen Bildern betrifft. Von daher ist es immer gut, wenn man von jemand der besser, oder auch einfach nur anders sieht als man selbst, eine Kritik bekommt.
Sehr hilfreich ist es auch, nicht nur die eigenen Bilder kritisieren zu lassen, sondern auch einfach viele Kritiken zu Bilder von anderen zu lesen. Denn oft findet man die eigenen Bilder in den Bildern der anderen wieder, natürlich -und darauf kommt es ja an- mit genau den selben Fehlern darin.
Nützlich ist es natürlich auch, generell alle Bilder die man tagtäglich so sieht, kritisch zu betrachten, sie auf mögliche Mängel zu untersuchen und sich auch zu fragen, wie man das selber wohl geknipst hätte.

Letztlich aber- und das ist sehr wichtig- musst du dich einfach damit abfinden, dass es das perfekte Foto einfach nicht gibt. Irgend etwas da man hätte besser oder anders machen können, findet sich immer. Auch wenn es irgendwann nur mehr „Jammern auf hohem Niveau ist.“ 🙂

Und ganz zum Schluss nun: Fotografieren, vor allem wenn du es nur für dich machst, muss in erster Linie Spass machen. Kritik hilft dir dabei dich weiter zu entwickeln, aber ob, wie lange, wie weit wohin und wie schnell du dich in fotografischer Hinsicht entwickeln willst- Das bleibt alleine dir überlassen. Also setze dich nicht selber unnötig unter Druck.

Gut, hiermit möchte ich diesen kleinen Fotokurs erst mal beenden. Ich hoffe, es war das eine oder andere nützliche Thema für dich dabei. Kritik könnt ihr auf jeder Seite gerne als Kommentar posten, oder auch per mail über das Kontakformular unten.

Zum Abschluss habe ich hier noch eine kleine Liste für dich, wo typische Schwierigkeiten beim Fotografieren sowie deren Lösung aufgezählt sind.