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Waldviertler Schuh Tramper (Ein Loblied)

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Unlängst fiel mir beim Aufräumen die Rechnung für meine Waldviertler in die Hände. Ein Blick auf das Datum verriet mir, das meine Lieblingsschuhe mittlerweile 3 Jahre und 7 Monate auf den Buckel -pardon- dem Leder haben.
Für diese Schuhe natürlich ein noch recht jugendliches Alter. Aber alt genug, um sie mal genauer in Augenschein zu nehmen.

Nachdem mir jahrelang von Freunden vorgeschwärmt worden war, wie super bequem diese Schuhe sind, rang ich mich schließlich auch dazu durch, einmal mehr Geld für Schuhe in die Hand zu nehmen. Grund dafür war weniger der Faktor „bequem“, weil ich das Glück habe, recht anspruchslose Füße zu haben, für die ich auch beim Diskonter immer schnell passende Schuhe fand.
Was mich aber nervte war, dass Diskont-Schuhe bei mir in der Regel nach einem Jahr stark verschlissen und nach spätestens zwei Jahren zum Wegschmeißen waren. Jetzt bin ich aber niemand, der gerne Schuhe kaufen geht, also versuchte ich es mit einem Paar Tramper.

Die Eckdaten zu diesem „Testbericht“:
Zusammengerechnet trage ich diese Schuhe ungefähr 9 Monate im Jahr. Im Sommer, wenn es heiß ist, sind sie mir zu warm und ich weiche dann auf meine alten Laufschuhe, Badeschlappen oder Barfuß-gehen aus. Im Winter und zusammen mit einem guten Paar von Omas Wollsocken sind sie mir warm genug. Nur wenn ich vorhabe, bei wirklich tiefen Temperaturen lange unterwegs zu sein, greife ich zu meinen Wanderschuhen. Natürlich gäbe es auch gefütterte Waldviertler, aber für die paar kalten Tage im Jahr zahlt es sich für mich dann doch nicht aus.


Meine Tramper müssen einiges aushalten. Dornen, Schlamm, Wasser auf ausgedehnten Fototouren in der Natur. Etliche Kilometer staubigen Asphalt in Städten und Streusalz im Winter. Also schauen wir mal, wie sich das bisher auf die Schuhe ausgewirkt hat.

Das Leder:

Wie man sieht, hat das Leder jede Menge Kratzer, Abschürfungen und Falten. Es sieht aus, wie gebrauchtes Leder eben aussieht, ist aber nirgends durchgescheuert und macht auch nicht den Eindruck, als würde es sich in nächster Zeit auflösen.
Die einzige Pflege die ich meinen Waldviertlern angedeihen lasse, besteht darin, sie ca. zweimal im Jahr mit „Tapir-Lederimprägnierung“ zu behandeln.

Die Nähte:

Im rechten Schuh, hat sich innen im Fersenteil die Naht zu lösen begonnen.

Beim linken Schuh hat sich beim Seitenteil ganz unten ebenfalls ein kleines Stück Naht gelöst. Für diese Tragedauer und Belastung finde ich das durchaus akzeptabel, zumal man seine Waldviertler ja problemlos reparieren lassen kann.

Die Ösen:

Die Ösen für die Schuhbänder sind bei Diskont-Schuhen ebenfalls häufig ein Schwachpunkt. Sie reißen gerne einmal aus und der Zug der Schnürsenkel scheuert dann das umliegende Material durch.
Bei meinen Trampern sind die Ösen noch alle völlig in Ordnung. Die Schnürsenkel sind übrigens auch noch die originalen.

Die Sohle:

Auch da bin ich von der Haltbarkeit sehr angetan. Meine bisherigen Schuhe hatten nach zwei Jahren alle so gut wie kein Profil mehr, bzw. löste sich auch häufig die Sohle. Die Waldviertler haben für die Kilometer immer noch erstaunlich viel Profil und lösen tut sich auch nichts.
Allerdings haben sich dort, wo die Sohle verklebt ist, an einigen Stellen kleine Risse gebildet. Den größten davon, sieht man auf dem Bild unten.
Aber auch hier habe ich nicht das Gefühl, dass sich die Sohle in nächster Zeit komplett lösen würde. Außerdem kann man -wie schon gesagt – seine Waldviertler ja auch reparieren und neu besohlen lassen.

Die Haltbarkeit der Sohle bedingt auch das einzige „Problem“ welches ich mit den Schuhen habe. Um so haltbar zu sein, muss der Gummi entsprechend hart sein. Dadurch „klebt“ der Schuh aber auch weniger am Untergrund, als er es mit einer weicheren Sohle tun würde.
Ein weicherer Gummi würde sich aber wiederum schneller abreiben… Ein Dilemma 🙂

Für normale Wanderungen finde ich den Schuh aber rutschfest genug. Für Ausflüge ins Gebirge greife ich dann aber doch auf die Wanderschuhe zurück.

Tragekomfort, Wasserfestigkeit, Schutz des Fußes:

Zum Tragekomfort kann ich nur sagen, dass diese Schuhe super-bequem sind. Sie passten mir vom ersten Probieren an wie angegossen und fühlen sich einfach wie eine zweite Haut an.
Die Schuhe sind auch erstaunlich wasserabweisend. In seichtem Wasser so wie auf dem Bild oben, oder auch bei Regen und Schnee, dauert es relativ lange, bis die Füße nass werden. Natürlich sind die Tramper keine Gummistiefel und irgendwann saugt sich auch das beste Leder voll. Aber wie gesagt – Eine ganze Weile lang geht´s auch mit Nässe ganz gut.


Was den Schutz des Fußes betrifft – Sie sind einfach eine zweite Haut und das Leder kann schon gut etwas ab. Bezüglich der Sohle sind spitze Steine, Glasscherben etc. kein Problem. Den Test, Vollgas auf einen Nagel zu steigen habe ich aber bislang sein lassen. Der würde wahrscheinlich durchgehen. Aber Waldviertler sind auch keine Arbeits-Sicherheitsschuhe.
Bezüglich umknicken – Die Tramper gehen über den Knöchel und wenn man sie ordentlich schnürt, bieten sie wie alle derartigen Schuhe einen gewissen Schutz gegen das „Verknöcheln“, können dieses aber natürlich auch nicht zu 100% verhindern. Mich haben sie gefühlsmäßig schon einige male vor schmerzhaften Bänder-Überdehnungen bewahrt, vor allem dann, wenn nach langen Märschen die Kraft nachlässt.

Die Schönheit:

 

Ich weiß – Damen und Herren, die beim Anblick edler, aufpolierter und fußmordender Designerschuhe ein lustvolles Stöhnen unterdrücken müssen, werden das jetzt nur schwer nachvollziehen können. Aber –

DER WALDVIERTLER-TRAMPER IST EINFACH SCHÖN UND WIRD UMSO SCHÖNER, JE ÄLTER ER WIRD !!!

(Das ist, wie wenn man das Beauty-Foto eines 18 jährigen Models mit dem Charakterportait eines alten, lebenserfahrenen Menschen vergleicht. Mehr sage ich dazu nicht 🙂 )

Bleiben als letzte Punkte eigentlich nur noch Preis und Nachhaltigkeit:

Mal rechnen. 165,- Euro dividiert durch 43 Monate, ist gleich: 3,8 irgendwas Euro pro Monat. Aufs Jahr gerechnet, haben mich die Schuhe also bislang rund 46 Euro gekostet. Und wie man sieht, sind sie noch lange nicht am Ende, werden also quasi von Tag zu Tag billiger 😉
Da kann der Schuhdiskonter ums Eck auch nicht mehr mithalten.
Punkto Nachhaltigkeit: Der Schuh kann repariert werden, ist also erst dann wirklich kaputt, wenn sich das gesamte Leder aufgelöst hat.
Außerdem wird er in Österreich produziert und nicht von Kinder in Entwicklungsländern, so wie das bei Billig-Tretern leider oft der Fall ist.

Fazit- Der beste und schönste Schuh ever. 100% Kaufempfehlung.

(Und nein- Das ist weder eine bezahlte Werbeanzeige, noch hat mir der Herr Staudinger ein paar neue Schuhe angeboten, damit ich das hier schreibe. 🙂 )

Mit schuhseligen Ostergrüßen, Manfred Herrmann

Gönne dir Equipment!

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5 observations on “Waldviertler Schuh Tramper (Ein Loblied)
  1. Tom

    Wenn ein Schuh tatsächlich als Wanderschuh auf (eher flachen Wegen) zu gebrauchen sein soll, scheint mir eine fußumschließende Schnürung doch sehr nützlich zu sein. Beim „Tramper“ beginnt die Schnürung aber erst relativ weit hinten. Der ganze Vorderfuß lässt sich nicht anpassen. Meine Frage: Gibt die Schnürung dennoch genug Halt, auch wenn der Vorderfuß schwimmt?
    Was ich auch nicht verstehe: Wie kann man mit einem Minusabsatz entspannt laufen. Ich stelle mir vor, dass man ja quasi bei jedem Schritt bergauf läuft, um das Gefälle auszugleichen, und dabei enorme eine Ballenanstrengung bei der Abrollbewegung aufwenden muss….

     
    Reply
    1. Herr M

      Hallo Tom

      Ich glaube es ist am besten du gehst ins nächste GEA-Geschäft und probierst einfach aus wie sich der Tramper für dich anfühlt.
      Genug Halt ist ja relativ- Ich selber habe vom Trail-Laufen eine relativ gut trainierte Stützmuskulatur und nicht das Gefühl im Schuh zu „schwimmen“.
      Was den Minusabsatz betrifft- Es ist ja nicht so, dass du vorne extrem höher stehst als hinten. Für mich persönlich fühlt es sich fast so an wie ohne Schuhe.
      Aber wie gesagt – Einfach probieren ob du dich mit Waldviertlern wohlfühlst 🙂

       
      Reply
  2. GEA Linz /Renate

    Lieber Herr M,

    dein Bericht über den Tramper freut uns außerordentlich!

    Damit du noch länger Freude hast mit ihm, empfehlen wir dir sobald als möglich den Tramper
    zum Sevice-Augenschein zu bringen. Deine Bilder vom Schuh sind sehr aussagekräftig,
    beweisen aber auch, dass ein Generalservice notwendig ist.

    in diesem Sinne geh guat!
    das Linz GEA Team
    liebe Grüße Renate

     
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  3. martin

    Ich trage nun seit über 15 Jahren Waldviertler und bin auch begeistert, Allerdings habe ich in dieser Zeit um die 7 Paar Schuhe zerschlissen, das letzte Paar schon ins ehr kurzer Zeit. Früher war die Qualität um ein Hauseck besser, wobei ich nicht beurteilen kann was genau geändert wurde. Bei den ganz neuen Modellen offensichtlich auch die Sohle, wobei ich noch nicht sagen kann ob dies zum Vor- oder Nachteil gelang. Ich habe mehrfach „geschafft“ das das Leder (da ich sehr regelmäßig pflege) durchgescheuert oder gerissen ist, gebrochene und abgelatschte Sohlen hatte ich öfters und auch ein „Schuhservice“ bringt oft nur für kurze Zeit Besserung. Die Abbildungen sehen zwar „arg“ zerkratzt aus, aber im Vergleich zu meinen alten Waldviertlern die ich nur noch als Arbeitsschuhe nutze(n kann) können die nicht viele km hinter sich haben. Und das Waldviertler (gut den Tramper habe ich nicht getragen) besonders wasserfest wären muss ein Schmäh sein. Selbst ordentlich abgedichtet dringt Feuchtigkeit schon nach sehr kurzer Zeit in die Schuhe ein. Trotzdem bin auch ich sehr zufrieden und ein treuer Kunde der W. Schuhwerkstatt. Mann sollte es mit der „Lobhudelei“ nur nicht übertreiben. Der Schuh hat eben auch „Schwachstellen“.

     
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    1. Herr M

      Danke für deinen Kommentar 🙂

      Ich weiß nicht was du unter vielen Kilometern verstehst und trage auch keinen Kilometerzähler bei mir. Überschlagsmäßig komme ich durchschnittlich alleine mit meinen Hobbys Bogenschießen und Fotografieren auf mindestens 10 km pro Woche. Dazu sämtliche Alltagswege und natürlich auch längere Ausflüge und Wanderungen.
      Erfahrungsgemäß ist das Schlimmste für Schuhe generell das Streusalz im Winter. Da ich viel in der Natur unterwegs bin und bei uns die Salzstreuung glücklicherweise immer weniger wird, spielt das vielleicht auch eine Rolle.
      Bezüglich Wasserfestigkeit wird mir auch von Freunden immer wieder berichtet, dass sie mit ihren Waldviertlern diesbezüglich unzufrieden sind. Ich für meinen Teil kann das einfach nicht bestätigen. Natürlich saugt sich Leder mit Wasser voll und wird feucht, aber es dauert eine Weile, bis das Wasser auch wirklich durchkommt. Aber vielleicht bin ich da auch nur weniger empfindlich als andere. Wäre interessant, wenn das mal jemand ganz wissenschaftlich nachmessen würde 🙂

       
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